Das AURA HiFi Sommerfest


Unser AURA-HiFi Sommerfest 2018 war mal wieder ein Volltreffer. Im Mittelpunkt standen hochkarätige High-End-Vorführungen, erstmalig auch mit den phantastischen T+A-Audiokomponenten, die wir neu und bereits sehr erfolgreich im Programm führen.

Bei einem kühlen Bierchen und der wie immer leckeren und kultigen AURA-Currywurst, gegrillt von Jörg persönlich – ließ sich super fachsimpeln, insbesondere über das breitgefächerte Workshop-Angebot von Matthias Böde.

Der HiFi-Profi von der Fachzeitschrift STEREO hatte nicht weniger als  sechs ausgewählte Workshops für uns vorbereitet, die über den Tag verteilt stattfanden. So konnten die Besucher sich die für sie besonders interessanten Themen herauspicken. Für alle, die nicht teilnehmen konnten, oder die das Gehörte nochmal nachlesen möchten, haben wir die Workshops hier nochmal zusammengefasst:


 

Böde startete mit Demonstrationen zur umstrittenen Dynamikkompression, wie sie insbesondere bei Pop-Aufnahmen eingesetzt wird, um das klangliche Ergebnis möglichst laut und auffällig zu gestalten, was dem auf differenziertes Hören ausgerichteten Audiophilen allerdings leicht den Spaß verderben kann. Der STEREO-Mann brachte Beispiele für an Schattierungen und Nuancen reiche unkomprimierte Musik, zeigte aber auch dynamisch weitgehend „glattgebügelte“ Stücke und führte weiterhin aus, dass Kompression für sich nicht von Übel, sondern geradezu notwendig ist, um natürliche Schallereignisse in fürs heimische Hören via HiFi geeignete Formate zu überführen.

Im Gepäck hatte er zwei unterschiedliche Versionen von Tom Pettys ehemaligem „Mudcrutch“-Projekt, das in zwei hinsichtlich der Dynamikkompression unterschiedlichen Versionen erschien. Während die normale Ausführung „DR 8“ auswies, brachte man parallel eine mit „DR 12“ weniger stark komprimierte heraus. „DR“ steht für „Dynamic Range“ und bezeichnet den Abstand der mittleren Lautstärke zum lautesten Ton. Bei „DR 12“ ist der Abstand größer, die Aufnahme also „dynamischer“. Logischerweise tönte die „DR 8“-Fassung lauter, weil sie im Durchschnitt mehr Pegel bietet (siehe Diagramm) und zugleich bei erfolgtem Lautstärkeabgleich etwas fülliger und energetisch „dichter“, was typisch für eine stärkere Kompression ist. Während „DR 12“ duftiger, zarter und schattierungsreicher erschien, kam der Titel „Shady Grove“ in „DR 8“ druckvoller rüber, wobei eine klare Bevorzugung schwer fiel. Geschmackssache! Fazit: Dynamikkompression ist kein Teufelszeug, sondern ein Gestaltungsmittel beim Musik-Mastering. Es kommt hier vielmehr auf die Art und die Dosis an.

Als Zweites führte Matthias Böde Digital-Files, die er direkt vom USB-Stick über den T+A-Receiver abspielte, im Vergleich zu identisch klingenden Schallplatten vor. Dafür stand ein hochwertiger VPI-Dreher mit Dynavectors MC-Abtaster DV2X am Arm bereit. Nacheinander reproduzierten wir so etwa Wolfgang Bernreuthers luftig-duftiges „For Ole“, das sowohl auf der STEREO Hörtest-CD VIII als auch auf der mit dieser inhaltlich identischen Hörtest-LP II des engagierten HiFi-Magazins findet. Tatsächlich liefen beide Medien praktisch auf Augenhöhe, fiel Vinyl weder hinsichtlich der Detailtreue noch bei der Weiträumigkeit ab. Selbst dann nicht, als Böde mit der hochaufgelösten 24 Bit/192 Kilohertz-Fassung von Monty Alexanders „Almost Like Being In Love“ von der Hörtest-Edition III einen echten Prüfstein zunächst digital brachte. Konnte der Plattenspieler diesen Titel ebenso extrem aufgefächert und feindynamisch ausdifferenziert darbieten? Er war zumindest ganz dicht dran, was das Potenzial der LP aufzeigte, die auch gegenüber modernen Hochbit-Medien – entsprechendes Equipment vorausgesetzt ­– nicht ins Hintertreffen gerät. Ein ebenso offenkundiger wie versöhnlicher Ausgang für die zahlreichen Analogfans im Raum.

Nun stand eine Einführung in das neue STEREO Phono-Festival Vol. II auf dem Programm, eine pure Herzensangelegenheit für Matthias Böde, der diese weltweit einmaligen Compilationen zusammenstellt, aufnimmt und die Hintergrundtexte im ausführlichen Booklet verfasst. Und doch keine Werbeveranstaltung, sondern zugleich die Möglichkeit für die Besucher, 16 Plattenspieler „virtuell“ per CD/SACD oder 24/192-Hochbit-File über unsere schöne Vorführanlage zu hören. Erneut kam die Musik vom USB-Stick, auf den Böde die Tracks zuvor von der DVD-ROM des Doppel-Disc-Pakets übertragen hatte.

Ob musikalisches Highlight aus der audiophilen Historie wie Radka Toneffs zart gewebtes „The Moon Is A Harsh Mistress“ aus dem Jahr 1982, das Gänsehaut erzeugende „The Coyote“ von Jack Hardy (1986) oder Amanda McBrooms im selben Jahr erschienenes „When Hearts Collide“ freuten sich erfahrene Besucher über ein Wiederhören, zumals der Klang exzellent war, denn bei den Aufnahmen kamen neben den perfekt eingestellten Plattenspielern jeglicher Preisbereiche nur Top-Equipment zum Einsatz. So spielte etwa ein SME Model 15 einen Track von der Anne Bissons neuer Super-Direktschnitt-LP. Da kam richtig Freude auf.

Wer noch keinen Kontakt zur neuen hifidelen Hochbitwelt hatte, konnte anschließend identische Musikstücke in unterschiedlichen Auflösungen hören. Von bestem MP3 (320 kBit/sec) über CD-Standard (16 Bit/44,1 kHz) bis hin zu extrem aufgelösten Formaten wie 24 Bit 192 kHz reichte die Bandbreite. So kam „Imagine“ in der Version von Nils Landgren mit elegisch verhallender Gitarre und reichlich akustischer „Atmosphäre“ bereits in MP3 angenehm rüber. Doch was fehlte, zeigte sich sofort, als Böde bei vollkommen identischer Lautstärke zum CD-Version wechselte: Die Gitarre schwang subjektiv länger nach, das Instrument wie der Sänger waren in einen erweiterten Raum eingebettet, den MP3 offenbar als überflüssig erachtet und weggerechnet hatte. Doch in voller Pracht erstrahlte der Titel erst in der Hochbitfassung, die dem originalen Aufnahmeformat entsprach. Weitere Versuche bestätigten: Hochbit-HiFi ist kein Marketing-Gag, sondern ein Verfahren, der Wiedergabe ein gesteigertes Maß an Natürlichkeit und Authentizität zu verleihen.

Nun waren war wieder die Analog-Fraktion am Zug. Es galt, drei Dynavector-MC-Tonabnehmer im Vergleich zu hören. Kein Problem, denn dank des cleveren VPI-Wechseltonarmsystems gelang der Austausch innerhalb weniger Sekunden: Altes Rohr runter, neues rauf auf die Wolframspitze des einpunktgelagerten Arms, Kontaktstecker einführen, und los ging’s. Die Abtaster waren zuvor von unserem Analog-Spezi Uwe Bonsiepen penibel justiert worden.

Den Start machte das Dynavector 10X5 neo für rund 600 Euro, das etwa Maria Pihls „Malvina“ von der fantastisch klingenden STEREO „Best of“-Doppel-LP, die mit 45 Umdrehungen rotiert, räumlich, differenziert und mit satten Farben reproduzierte. Nichts einzuwenden. Was dem „Neo“ fehlte, wurde erst klar, als das Te Kaitora Rua dasselbe Stück spielte. Dieses bildete räumlicher, feingliedriger und aufgefächerter ab, kostet mit 3.250 Euro allerdings auch eine Stange mehr. Den Gipfel markierte dann das DRT XV-1s. Zwar konnte es die Performance des Te Kaitora hinsichtlich der Weiträumigkeit und Auflösung kaum mehr steigern, bot jedoch eine Stringenz, Energie und Strahlkraft, die jenem noch abgegangen war. Und verlangt dafür eine Spitzengage: satte 4.450 Euro.

Zum Schluss gab’s noch die Vorführung zweier einmaliger Tonträger, darunter eine „Crystal“-CD aus purem Glas, die nicht flattert oder sonstige klangschädliche Effekte zeigte. Von dieser sang Saint Mic sein „Sound Of Silence“ sogar noch schöner als von der ohnehin höchstwertig gefertigten, Bit-identischen „Ultra High Quality CD“ (UHQCD). Das war das i-Tüpfelchen auf dem ebenso kurzweiligen wie intensiven Workshop-Tag bei Aura HiFi.

 


Ein Beitrag von:


Matthias Böde
Zeitschrift Stereo

Menü